Die folgenden Informationen orientieren sich an dem Fachartikel „Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen – Herausforderungen und Empfehlungen“ von Küpper, Bartels & Dziobek (2025), veröffentlicht im Psychotherapeutenjournal. Hier finden sich weitere Informationen zum diagnostischen Prozess, dem empfohlenen Vorgehen sowie typischer Herausforderungen und praxisnaher Empfehlungen.
Die Autismus-Spektrum-Störung gehört zu den neuronalen Entwicklungsstörungen und ist durch anhaltende Besonderheiten in der sozialen Interaktion, Kommunikation sowie in Verhalten, Interessen und Aktivitäten gekennzeichnet. Diese Merkmale bestehen seit der frühen Entwicklung, zeigen sich jedoch bei manchen Personen erst im späteren Leben deutlich, wenn soziale Anforderungen die individuellen Bewältigungsstrategien übersteigen. Die Diagnostik im Erwachsenenalter erfordert daher eine besondere Sorgfalt, um sowohl aktuelle Symptome als auch lebensgeschichtliche Entwicklungen umfassend zu berücksichtigen.
In der ICD-10 wurde Autismus im Kapitel „Tiefgreifende Entwicklungsstörungen“ noch in verschiedene Subtypen unterteilt: den Frühkindlichen Autismus (F84.0), den Atypischen Autismus (F84.1) sowie das Asperger-Syndrom (F84.5) (World Health Organization, 2016).
Da sich die theoretische und praktische Abgrenzung dieser Kategorien jedoch als wenig zuverlässig erwiesen hat, wurden in der ICD-11 sämtliche autistischen Störungsbilder – analog zum DSM-5 (American Psychiatric Association, 2015) – unter dem übergeordneten Begriff der Autismus-Spektrum-Störungen zusammengefasst.
Die ICD-11 beschreibt Autismus-Spektrum-Störung durch folgende zentrale Kriterien (vgl. WHO, ICD-11):
- anhaltende Schwierigkeiten in wechselseitiger sozialer Interaktion und Kommunikation,
- eingeschränkte, repetitive und inflexible Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten,
- Beginn in der frühen Entwicklungsphase – auch wenn Merkmale erst später klar erkennbar werden,
- Beeinträchtigungen in persönlichen, sozialen, familiären, beruflichen oder anderen Funktionsbereichen
Für die diagnostische Einordnung werden zudem der funktionale Sprachgebrauch sowie das Vorliegen einer Intelligenzminderung spezifiziert (siehe Übersicht der Diagnosekriterien nach ICD-11).

Autismus kann sich im Erwachsenenalter in sehr unterschiedlicher Weise zeigen. Manche Menschen entwickeln Strategien, die ihre Schwierigkeiten lange überdecken – andere erleben deutliche Belastungen, die sie in ihrem Alltag einschränken. Eine differenzierte Diagnostik ermöglicht es, diese individuellen Besonderheiten sichtbar zu machen und Unterstützungsbedarfe präzise zu erfassen.

